Nachtrag: In der grünen Hölle des Ruhrpotts

Vor einiger Zeit waren wir in Deutschland. Davon möchten wir Euch berichten, quasi publizistische Nachbereinigung.

In einem wenig luziden Moment von anno dunnemals schrieb ich meine Herzallerliebste und mich für je eine Sportveranstaltung auf der Achse Düsseldorf – Köln ein. Ähnlich wie es den Hahn zur Henne drängt, den Stier zur Kuh, den Bock zur Geiss, drängte es auch uns wieder einmal zu einem Stelldichein in sportlicher Hinsicht. Da ich die letzten Wochen und Monate vermehrt am Rockzipfel der Musse verbrachte denn auf der 400m-Bahn, schaut meine sportliche Halbkarriere wie ein linearer Absenkungspfad aus, Klimaforscher sprechen in diesem Zusammenhang von einer konsequenten Fortschreibung von Reduktionseffekten. Das trifft es ziemlich gut. Trotzdem düsten Plaumenaugust, Schwankfunzel und Klein-Helenchen Mitte Juni mit dem Hippie-Bus über Postkarten-Heidelberg in die grüne Hölle des Ruhrpotts. Viel Gegend, flach.

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In Straberg durfte zunächst Verena den Propheten am Bart zupfen. Und zwar im Rahmen des Internationalen FC Straberg-Laufs. Ich weiss was Ihr jetzt denkt: Da habt‘s ihr wieder mit der ganz grossen Kelle angerührt. Ja, sich auf den Frühkartoffeln auszuruhen ist unsere Devise wenn die Languste in den Bergen singt. Verena schnürte also ihre Laufschuhe aus dem Hochmittelalter, nörgelte etwas herum und ging an die Startlinie. Hier schon Stimmung wie beim Kurhausgartenkonzert des Landespolizeiorchesters Mecklenburg-Vorpommern (Egerländer Formation). Un, dos, tres, irgendwasaufspanisch Maria, und schon ging’s los. In der Folge vergingen so um die 20 Minuten, dann kam Verena am Horizont um die Ecke aus dem Wald gedonnert und lancierte den Endspurt auf der 400m-Bahn. Zu dieser Zeit hatten bereits drei Damen die Ziellinie überquert, 4. Rang. Vielen Dank auch. Ich versuchte zu beschwichtigen: „…der einzige ehrenwerte Platz ist der zwischen den Stühlen…“ den Klatschlaut konnte man bis nach Leverkusen hören.

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Am selben Abend, etwas später, präparierte ich im Rahmen von Thorsten Priebes Garten- und Geburtstagsfest meinen Kohlenhydratepegel mit Spanferkel, Sahnetorte und Diebels Alt. Dies hinsichtlich des Kölner Swim and Runs (4/21), wohin wir uns nach einer Übernachtung im Motel Ratingen-Hösel Ost (21 Pornokanäle im Preis inbegriffen!) begaben. Die Strecke im und um den Fühlinger See war angenehm langweilig, das Wasser knapp über dem Gefrierpunkt, das Wetter so mittelgeil. In meinem Kopf rumorten Sozialkritik und Apokalyptik, und angesichts meines Antioxidantien-Spiegels fürchtete ich abermals das Versagen eines theoretischen Konzeptes vor der Lebenswirklichkeit. Motiviert wie ein müder Sonderpädagoge nach einer Doppelstunde Kunst an der Problemschule wurschtelte ich mich in den Neoprenanzug, drückte der Herzallerliebsten und Klein-Helenchen einen Schmatzer ins Gesicht und machte mich auf die Suche nach dem Start. Schnell wie die Nacktschnecke in unserem Garten den Rittersporn abfrisst stakte ich in den Fühlinger See. Man kann das Fell des Bären nicht waschen, ohne es nass zu machen.

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Der Startschuss dann wie eine Sturzgeburt. Obwohl mir hartnäckiger Küstennebel während den ganzen vier Runden die Sicht erschwerte, war ich – wie ich nach vier Kilometern rauf und runter und rauf und runter dem See entstieg – recht zufrieden mit mir; allenfalls ein kleiner Kratzer am Kotflügel der Ehre, weil fünf Sekunden über einer Stunde geblieben. Filigran wie ein trockenes Baguette suchte ich meine Sachen in der Wechselzone. Der Kommentar meiner Herzallerliebsten hierzu nach dem Rennen: „…das hat ausgesehen wie ein anorektischer Strichbube, der vergessen hat, wo er sein letztes Brieflein Koks versteckt hat.“ Gut. Ich dann auf jeden Fall auf die Laufstrecke gestürmt wie Hamtidamti als er die Grinsekatze sah. Es folgten drei Runden kamerauntaugliches Leiden. Schon die zweite Runde wurde schwierig in der Handhabung, obwohl ich an den Verpflegungsposten Bananen futterte wie ein Babydinosaurier. Insbesondere auf der letzte Runde wurde es dann richtig hart, so ein bisschen wie bei Karate-Tommy und seiner Nutella-Bande.

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Wie ich auf die Zielgerade einbog, hörte ich den Speaker: „Buenas tardes, señoras y señoritas. Aquí está el DJ Héctor Bonifacio Echeverría Cervantes de la Cruz Arroyo Rojas. Ésta es el atleta Pedro “di puta madre” Studer, la promision poco exigente donde el rock vive y no muere. Vamos a escuchar un par de temas de nadir y correr. Primero vamos a escuchar “Atemlos” – que traducido quiere decir sin aliento – de Helene Fischer desde Alemania. ¡Qué música impresionante, temible y verdaderamente ahora van a ver, a ver, a ver, aquí va, aquí va…!” Oder so ähnlich.

Drei Liter Erdinger alkoholfrei und einen Pfirsich später setzte der Regen ein und wir beschlossen den Heimweg anzutreten.

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Bis zum nächsten Mal und beste Grüsse!

http://www.swim-and-run-cologne.de/